Sucre: Abenteuer auf zwei Rädern
von Monika
Sucre Boliviens geheime Hauptstadt
Wir wollen raus, und zwar richtig.

Bis jetzt haben wir von Bolivien zwei Städte etwas näher kennengelernt. Wir möchten nun auch einen Blick erhaschen auf eher ländliche Regionen des Landes. Die ausgedehnten bergigen Gebiete, die wir bis jetzt mit dem Bus durchquert haben, würden sich ausgezeichnet eignen, um sie mit Motorrädern zu erkunden...so viele Hügel, so viele Kurven, so wenig Verkehr und so genial schöne Landschaften und Ausblicke auf kleine Siedlungen und Höfe.
Wir beschliessen also, das Hinterland von Sucre mit den Motorrädern zu erkunden und suchen nach einer Möglichkeit, uns Motorräder zu mieten. Dabei stossen wir auf ein Tour-Angebot der Agentur Offroad Bolivia. Es handelt sich dabei um eine Tages-Tour von Sucre aus. Auf dem Programm stehen dabei 150 km Dirt-Road auf 150-200 Kubik-Cross Maschinen.
„The full day tour for motorcycles; This amazing tour brings you all the way from the city of Sucre, through a mountain pass of de Cordillera de los Frailes, all the way down to the little town of Chaunaca, crossing the river up to the crater of Maragua. There you will have time to have lunch while enjoying the beautiful landscape. The tour continues to the town of Quila Quila, after that crossing the highest mountain near Sucre, the Obispo at 3700 altitude and from there all the way back to Sucre. This tour is highly recommended just for all the amazing views, mountains and different terrain you will come across...“
Ja. Das tönt doch super! Eine kleine motorradfahrerische Herausforderung und gleichzeitig abwechslungsreiche und beeindruckende Landschaft...und überhaupt, in einem Krater Motorrad fahren kann ja nur faszinierend sein!
Wir nehmen also mit der Agentur Kontakt auf und treffen unseren Guide Henry zum ersten Mal. Henry spricht sehr gut Englisch und er erklärt uns die Tour, die geplante Route, die geologischen Gegebenheiten und die fahrtechnischen Anforderungen super kompetent. Nach diesem Treffen wissen wir: das wollen wir unbedingt machen!
Und die Tour hält was sie verspricht!
Zuerst:
Henry unser Guide
Henry ist ein engagierter und sehr symphatischer junger Bolivianer, der sich Gedanken zu Nachhaltigkeit und Entwicklung bolivianischer Kultur macht und selbst auch Projekte aufgleist, die ärmeren Bauernfamilien helfen sollen, ihr Leben etwas leichter zu machen. Dazu hat er als langjähriger Guide ein sicheres Händchen und Gespür für das Einführen und Führen von Fremden.
Dann:
Die Landschaft
Diese lässt sich nur mit einem Wort beschreiben:
Umwerfend!! Irgendwie erscheint es uns, wir hätten in 30-jähriger Töfferfahrung noch nie eine landschaftlich so geniale Tour gemacht. Weite, Höhe, leuchtend sattes Grün, dunkles Rot, Blaugrau, Ocker gelb, und fifty-shades of brown ;-) in wunderbaren Mischungen. Ein Pass von 3800m und eine faszinierende landschaftliche Erscheinung: einen Krater, der eigentlich eine Verwerfung von Erdkrustenplatten ist, und der an den Rändern aussieht wie eine kunstvoll gestaltete Sahnetorte.(Leider haben wir zur Landschaft nur wenig Fotomaterial, da wir ja die Hände am Lenker hatten :-))
Dann
Der fahrtechnische Challenge
Henry hat wirklich ein feines Gespür dafür, wie er Dirt-Road Newbies langsam an das offene Gelände heranführt. Wir fühlen uns immer gefordert aber nie überfordert! Stetig wird’s ein bisschen schwieriger und ein bisschen schneller. Wir denken, wie cool ist das denn und bewältigen zum Schluss dann wirklich Off-Road Gelände mit Bravour.
Dann
Die Begegnungen mit den Menschen der Region
Henry hat auf dieser Strecke Freunde. Diese besucht er spontan, da eine Voranmeldung via Natel nicht möglich ist. Er bringt ihnen als Gastgeschenk Dinge vom Markt in Sucre, die sie nicht selbst produzieren, aber gerne essen. So ist zum Beispiel Geissenkäse ein begehrter Leckerbissen. Wir fahren also einfach bei den befreundeten Familien vorbei und schauen, ob jemand zu Hause ist. Bei Crispin und seiner schon betagten Mutter haben wir Glück. Crispin ist ein herzensguter Mensch. und er hat richtig Freude daran, Menschen zu begegnen. Er lädt uns zum Essen ein, schenkt uns Früchte aus seinem Garten, zeigt uns Ausgrabungen die er gemacht hat und zieht extra seine Tracht an und spielt seine Musik, die er zu Karnevalsanlässen mit Freunden aus der Nachbarschaft intoniert. Mit der spontanen Aufforderung, doch mit Gitarre und Trommel einfach mitzutun, sind wir zwar leicht überfordert.
Crispin ist sogar im Begriff ein kleines Museum aufzubauen, das als zentrale Ausstellungsstücke Webereien seiner Mutter zeigt. Und diese sind, jetzt schliesst sich der Kreis unserer Begegnungen mit der Web-Kunst der Indigenos, noch aus der Zeit, bevor sich die Muster der Jalq’a zu Gunsten des Tourismus verändert haben. Sie zeigen noch die ursprünglichen, undefinierten Bewohner der Unterwelt und keine Kondore und Llamas, wie das Armband, das wir auf dem Markt von Tarabuco erworben haben.
Wir sind nun also wirklich beim Ursprung angelangt. Henrys Mutter, stellt sich heraus, war Köchin bei ASUR, derjenigen Gemeinschaft, die den Schutz und den Erhalt der indigenen Webtradition in Bolivien vor Jahren iniziierte.
Wie ihr lesen könnt, war diese Tour für uns auf mehrfacher Ebene einfach genial. Und wir werden sie als eine bewegende Erfahrung und einen Höhepunkt unserer Reise in Erinnerung behalten.
Kommentar von Schweizer Franz und Therese |
Einmalig schöne Landschaft! Diese Farbenpracht der Märkte - das einfache Leben dieser Menschen - welcher Gegensatz zu unseren mit weihnächtlichen Angeboten überfüllten Warenhäuser....!
Wir wünschen euch weiterhin erlebnisreiche Reisetage! Herzlich grüssen TheFra
Kommentar von Pesche Balsiger |
Sieht super aus - und dann erst noch mit der richtigen Sicherheitsbekleidung (Offroad Stiefel). Macht's gut
Kommentar von Nosi |
So coool! Wenn schon die Bilder so atemberaubend sind, wie ist denn da erst die Wirklichkeit …
Antwort von Thierry
... wir haben jeden Tag geschaut, wann denn endlich ein Kommentar von Nösi kommt ;-). Es war [nbsp]unbeschreiblich schön!
Kommentar von Regula |
.... da kann man ja nur neidisch werden!