San José in Chincha alta

von Monika

Die Gemeinde Chincha liegt etwa 210km südlich von Lima in einem grünen und fruchtbaren Schwemmland. Die Region hat viele sehr dunkelhäutige und afrikanisch anmutende Bewohner. Musik- und Tanzkultur ist vom Cajon und afrikanischen Rhythmen stark beeinflusst.

In Chincha Alta befindet sich die Hacienda San José, die 1688 zum ersten Mal erwähnt wird. Die dokumentierte Geschichte der Hacienda begann mit der Heirat der Spanierin Rosa Josefa de Muñantones y Aguado mit Don Andrés Salazar. Rosa Josefa brachte die Hacienda (inklusive Kirche und ausgedehnter Ländereien) als Mitgift in die Ehe ein. Das Ehepaar bewirtschaftete die Hacienda mit Zuckerrohr-Plantagen. Die Arbeit auf den Feldern wurde zu dieser Zeit von 87 schwarzen Sklaven bewältigt. Zucker und Honig, zwei Produkte von grossem Wert, sowie eine weitere clever arrangierte Heirat vergrösserten den Reichtum und die Ausdehnung der Hacienda stetig. Bis ins Jahr 1764 beschäftigte die Hacienda 1000! Sklaven und bewirtschaftete die Ländereien von zwei durch die Ehe verbundenen Hacienden.

Mit dem Befreiungskrieg der Sklaven 1821 verloren die kolonialen Herren ihr Eigentum. In der Folge wechselten die Gebäude und Ländereien mehrmals die Besitzer, bis die Hacienda schliesslich im Jahre 1970 zu einer Stätte des Weltkulturerbes erklärt wurde. Die Hacienda ist heute ein Hotel in Privatbesitz. Man kann hier wunderschöne grosse Hotelzimmer/Suiten buchen und eine Führung durch die gesamte Hacienda bekommen. 

Diese Führung ist sehr interessant und führt auch in die sogenannten Katakomben. Dabei handelt es sich um ein System von engen unterirdischen Gängen, welche die Hacienda mit dem Hafen und benachbarten Hacienden verbindet. Insgesamt 30km Tunnel verbergen sich unter Grund. Diese wurden dazu genutzt, die Sklaven unbemerkt vom Hafen direkt zu den Hacienden zu schmuggeln. Diese geheimen Wege ermöglichten es den Plantagenbesitzern die Steuern zu umgehen, die für den Sklavenhandel vom Staat erhoben wurden. Der Menschenmarkt wurde ebenfalls im Untergrund durchgeführt. Für Sklaven, die nicht sofort einen Besitzer bekamen, bedeutete dies, dass sie unter Umständen über Tage/Wochen in den vollkommen lichtlosen, muffigen unterirdischen Gängen festsassen. 

Die Gänge wurden von den Aufsehern auch dazu benutzt, „fehlbare“ Sklaven über eine Isolationshaft in kleinen lichtlosen Kammern zu bestrafen. 

Die Führung, welche für Hotelgäste gratis ist, ist sehr gut gemacht. Weil man die Gänge nur mit dem Licht von Taschenlampe oder Handy erkundet und der Führer diese einzigen Lichtquellen für eine kleine Ewigkeit von 30 Sekunden abschalten lässt. Dies lässt einem nachvollziehen, warum viele der so bestraften Sklaven in dieser Situation verrückt wurden. Es ist stockdunkel, eng, muffig und feucht. Man fühlt sich lebendig begraben... und will nur eines: raus!

Weiter dienten die Gänge den kolonialen Familien als „Escape“-Rooms bei Sklavenaufständen oder Überfällen von Piraten. Noch etwas später wurden sie auch als Beerdigungsräume genutzt.

Wir sind froh, leben wir in einer anderen Zeit und geniessen das Privileg die fantastisch schöne und unglaublich grosszügige Hotelanlage für einen Tag bewohnen zu dürfen. 

Was ist die Summe aus 7 und 9?

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