Paracas, Reserva Nacional

von Monika

Welches Fortbewegungsmittel fehlt noch auf unserer Liste? - Richtig! - das Fahrrad.

Backpacker Atena, unser Gastgeber in Paracas bietet den Verleih von Fahrrädern direkt im Hospedaje. Praktisch, denken wir, da müssen wir uns nicht zuerst in der Stadt nach einem geeigneten Verleih umsehen. Und, da wir mit den Rädern in die Wüste wollen, möchten wir der Hitze wegen spätestens um 6h morgens unsere Tour antreten. Das würde bedeuten, dass die Räder eines externen Verleihs, bereits am Abend vorher gemietet werden müssten. Mit dem Vermieter im Haus ist das viel einfacher und das passt perfekt in unsere Pläne:

Denn, was wir planen ist eine Velotour durch die Reserva Nacional de Paracas.

Es gibt hier einen Rundkurs (rosarote Linie auf dem Plan), der nach einer ersten „Durststrecke“ durch die Wüste die Pazifikküste erreicht. Danach führt der Weg entlang der Küste, passiert verschiedene Miradores und besucht drei wunderschöne Strände. Es ist also von Vorteil, den ersten Teil der Strecke bei noch nächtlich frischen Temperaturen zu bewältigen und, wenn dann die Hitze des Tages einsetzt, vom kühlenden Wind des Meeres oder einer Siesta zu profitieren. 

Wir kaufen also genügend Wasser, ein paar kleine Bananen (auf Spanisch „Platanos“), Snickers und gesalzene Nüsschen, um für den ersten Teil der Tour gerüstet zu sein, da es in diesem Abschnitt keine Verpflegungsmöglichkeit gibt. Wir schauen für guten Sonnenschutz, ein gutes Frühstück und nehmen am morgen um 6h unsere Mountainbikes in Empfang. Als wir die Räder inspizieren, denken wir, ganz schön rostig, diese Klepper und naja der Rahmen, (obwohl wir beide ja doch 1.80m gross sind), viel zu gross für uns. Die Reichweite zum Lenker scheint unendlich lang und damit ist die Sitzposition gelinde gesagt - suboptimal. Aber was soll‘s, ist ja nur für einen Tag und wir wollen noch in der Morgenfrische starten. Wir setzen uns also auf die Räder und los geht’s. 

Wir radeln durch die Vorstadt hinaus bis zum Eingang des Reservates. Dort gibts 11 Soles Eintritt pro Person zu zahlen (umgerechnet 3.50 CHF).

Wir passieren den Posten und fahren auf einer Holperstrasse hinein in die Wüste. Wir radeln tapfer auf den unbequemen Rädern, Monika voraus, Thierry als Nachhut. Alles läuft nach Plan... bis... nach circa 45 Minuten beim Kontrollblick zurück, Thierry plötzlich von der Bildfläche verschwunden ist. Hm? Was denn jetzt?..also zurück über die letzte Steigung und siehe da... Thierry taucht aus der Senke auf und schiebt sein Rad neben sich her: Kettenriss 😡 - und kein Werkzeug 🙄- unmöglich, das hier zu flicken!

Von unserem Standort aus gelingt es uns nicht, Kontakt zum Hospedaje herzustellen (kein Telefonsignal), um Ersatz-Räder zu organisieren.

Wir beschliessen also, die Tour abzukürzen (blauer Pfeil auf der Karte) und per pedes die Küste, bzw. den Strand bei Yumaque zu erreichen, um von da aus entweder Hilfe beim Flicken der Räder oder Ersatzräder zu organisieren. 

Dies bedeutet etwa 1.5km Weg zu Fuss. An einem Strand, der zum Baden geeignet ist, findet sich ja vielleicht jemand, der uns weiter helfen kann. 

Wir wandeln also mit dem defekten Rad durch die Wüste und erreichen nach etwa einer halben Stunde einen wunderschönen Strand mit tollen Wellen. Phu wir sind jetzt schon ganz schön verschwitzt. Also erst mal hinsetzen, den Wellen lauschen, ein Banänchen und ein Snickers verdrücken, Flüssigkeit nachschütten und dann sehen wir weiter.

Als erstes versuchen wir einen Ort ausfindig zu machen, an dem ein Netzsignal vorhanden ist. Es stellt sich heraus, dass sich dieser, vielbegehrte mystische Ort auf einem kleinen Hügel oberhalb des Strandes befindet. Wenn man hinaufsteigt, hat man eine Empfangsstärke von einem Strichlein. Von diesem Ort aus gelingt es uns zwar eine Verbindung herzustellen, diese ist aber zu wenig stabil um eine Konversation zu ermöglichen. Die Leitung bleibt „tot“. Wir brauchen eine Alternative. :-(

Unterdessen ist es circa 10h morgens und wir beobachten, wie sich eine Gruppe von auffällig rot/gelb gekleideten jungen sportlichen Männern auf Liegestühlen unter Sonnenschirmen am Strand einrichtet. Ah die Bay-Watch Truppe! Diese Jungs müssten doch eine funktionierende Notruf-Leitung haben. Wir gehen also zu der Gruppe und bringen unser Anliegen vor. 

Die Strand-Polizisten haben Verständnis, aber leider auch keine funktionierende Notrufleitung. Zwei von den Jungs anerbieten sich, uns beim Reparieren der Kette zu helfen. Auf dem Weg zum Fahrrad, liest einer der beiden einen alten rostigen Nagel vom Boden auf.... nein, nicht weil er verhindern will, dass ein Badegast sich einen Nagel eintritt, der Nagel bildet zusammen mit einem grösseren Stein das Werkzeugset zum Flicken der Kette. Das Unterfangen gestaltet sich dann auch dementsprechend schwierig. Denn, die Kette und das gesamte Getriebe sind total verrostet und verdreckt. Der Nagel und der Stein sind nicht wirklich das optimale Werkzeug. Wir werkeln also über eine halbe Stunde, bis sich endlich ein Fortschritt zeigt und sich ein Stift aus einem der Kettenglieder lösen lässt...

Alle bringen ihre Ideen ein, wie man denn die Sache mit den beschränkten Mitteln angehen könnte und nach circa einer Stunde gelingt es tatsächlich, die verkürzte Kette auf den Radkranz neu einzufädeln und das Bindeglied mit einem alten Stift zu schliessen. Wir vertrauen beim Einfädeln auf das mechanische Know-how einer der beiden Badepolizisten... aber leider liegt die Kette nach dem Schliessen des Bindegliedes in einer falschen Schleife auf dem Kranz...🙄 nein das darf doch nicht wahr sein.😖😖

Zum Glück taucht im ganzen Prozess eine weitere Person in Uniform (freiwillige Helferin des Reservats) auf, die mittels Handy endlich eine Verbindung zum Hospedaje herstellen kann; der Eigner reagiert umgehend und organisiert zwei neue Räder, die dann etwa 45 Minuten später bei uns ankommen. Unterdessen ist es jedoch etwa 12.30h Mittags.

Ja wir können jetzt unsere Tour weiter führen... aber unser ganzes Zeitmanagement ist in der Mittagshitze versengt. Zum Glück sind wir bereits an der Küste, in der Nähe der Strände und in der Nähe von Lagunillas, wo es ein Restaurant für die Mittagsverpflegung gibt.

Wir radeln also weiter. Die Landschaften der Tour sind wirklich schön. Die Miradores zeigen fantastische Blicke auf die an den Wüstenklippen nagenden Wellen und auf die sanften Farbspiele der Wüstenlandschaft. Wir erkunden die überwältigend schöne Playa Roja, essen wie geplant in Lagunillas Meeresfrüchte und baden zum Abschluss am Strand La Mina. Auch die Rückfahrt (circa 1h) nach dem nachmittäglichen Bad geht ohne weitere Probleme vonstatten. So erreichen wir dann um 17h das Hospedaje. Zwar hat die Fahrt auf den unbequemen Rädern einige (hier nicht näher definierten) Druckstellen hinterlassen 😏; Trotzdem sind wir happy, die fantastische Küsten- und Wüstenlandschaft der Reserva Nacional aus eigener Kraft erkundet zu haben. Wir geniessen, nach der wohl verdienten Dusche, ganz zufrieden ein kleines Nachtessen an der Strandpromenade von Paracas. 

Bitte rechnen Sie 1 plus 4.

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