Höllenfahrt ins Paradies
von Monika
Wir sind heute morgen früh um 4.45h in Cochabamba angekommen. Die Reise über Nacht mit dem Bus war der Horror. Uns wurde schon bei der Ausfahrt aus dem Busbahnhof in Sucre speiübel. Wir kämpfen volle 8h lang mit dem Magen. Monika hat zweimal erbrochen und ist total durch den Wind. Die Fahrt war einfach zu kurvig, der Fahrstil des Chauffeurs zu ruppig und die „baños“ an den „paradas“ unbeschreiblich :-(
Als der Bus in Cochabamba endlich still steht, sind wir nur eins: glücklich, dass die Welt nicht mehr schwankt. Wir sitzen also zuerst mal eine halbe Stunde im Busbahnhof und lassen den Magen ankommen. Dann wandern wir ziellos durch die Gegend. Wir versuchen die Zeit tot zu schlagen, bis wir in unserem AirBnB einchecken können. Das öffnet erst um 8:00h morgens, und wir haben keine Pre-Paid, um unsere frühe Ankunft ankünden zu können.
Aber die Gegend um den Busbahnhof ist irgendwie trostlos und unsere Vollpackung (trotz der 40l-Limite) an diesem Morgen viiiel zu schwer!
Nirgends ein kleiner Park, keine Bank, kein Kaffee in das man sich setzen könnte. Also beschliessen wir etwa um 5.30h, ein Taxi zu nehmen und uns zu unserer Unterkunft fahren zu lassen. Diese befindet sich nämlich circa 7km ausserhalb des Zentrums und ist, das wissen wir, ein kleines Natur-Paradies. Vielleicht ist ja in diesem Aussen-Quartier was zu finden, wo man sich gemütlich niederlassen kann, und man nicht dauernd sein Gepäck bewachen muss.
Der Preis mit dem Taxichauffeur ist schnell ausgehandelt. Wir haben uns vorher im Netz kundig gemacht, wieviel die Strecke in etwa kosten soll.
Aber :-( , diese Reise scheint wirklich verhext. Der Chauffeur findet die angegebene Adresse nicht. Zum Glück hat Thierry die Offline-Karte und kann den Fahrer lotsen. So finden wir über Feldwege schliesslich das Tor zu unserer Unterkunft. Als es dann jedoch an‘s Bezahlen der Fahrt geht, will der Fahrer für die extra Schlaufe nochmal 10 Bolivianos mehr. Wir sind echt genervt 😡 Das ist nun wirklich nicht unsere Schuld. Wir haben den Preis vorher abgemacht, die Adresse war klar und der „Transport-Vertrag“, so wie sich das in Bolivien gehört, mündlich fixiert. Also bitte, alles was recht ist.
Das gibt nun also einen unerfreulichen Abgang.
Als uns das Taxi verlässt zieht es eine Staubwolke hinter sich her. Und wir, wir stehen da, nach durchwachter Nacht, morgens um 6h inmitten der Pampas vor einem verschlossenen Tor. Wir lassen uns erschöpft auf unserem Gepäck nieder und warten.
Morgens so gegen 7.30 regt sich in der Ferne hinter dem Metallgitter eine Person, die im Garten umherstöbert. Das muss Graciela sein, unsere Gastgeberin... Wir rufen durch das Gitter: „Hola Graciela, estamos temprano. Puede abrir la puerta?“...Die Person hört uns.... ah das Blatt wendet sich :-)
Graciela eilt uns entgegen und begrüsst uns wie alte Freunde. Schon auf dem Weg durch den Garten zur Unterkunft wird klar. Graciela liebt Kunst, die Natur und das Leben. Sie ist ein Mensch voller Achtung für alles was lebt und voller Liebe zu den Menschen. Wir wissen jetzt schon, mit ihr werden wir noch wunderbar plaudern und philosophieren. Jetzt aber zuerst ab in die Heia...und schlaaaaafen.
Wir haben eine coole und sehr spezielle B&B Unterkunft ausgesucht. Das Haus nennt sich „La Biosfera para el Mundo and You“. Es ist eingebettet in eine wunderbare Tier- und Pflanzenwelt und sieht aus wie ein kleiner „Gaudí“. Graciela’s Mann ist Architekt und hat das Haus selbst entworfen und gebaut. Graciela unterhält in der „Dependance“ ein AirBnB, pflegt die Tiere und den Garten. Sie experimentiert mit verschiedensten künstlerischen Ausdrucksformen. Sie illustriert Texte, baut Masken, kreiert Stoffe und liebt alles, was mit naiver oder indigener Kunst in Zusammenhang steht. Sie sagt von sich selber, sie sei im Herzen ein Hippie, aber kein Hippie, der der Welt entfliehen will, sondern ein Hippie der Dinge bewegt.
Cochabamba ist „nur“ 2500 m.ü.M. und das Klima hier ist nicht mehr so trocken. Irgendwie spürt man, bereits einen Hauch des Amazonas. Vor allem im Biosfera, wo etliche Tierstimmen unseren gesamten Aufenthalt begleiten, wähnt man sich manchmal mitten im Urwald.
Unsere ausgetrockneten Schleimhäute bedanken sich. Ein super Platz zum Erholen! 😊 Wir danken Graciela und ihrem Mann für diese wunderbare Oase der Ruhe!
Kommentar von Pesche Balsiger |
Fragt mal Stoller ob der den Käfer kaufen möchte. Unterkunft ist cool. Weiterhin schöne Reise