Das rätselhafte „U“
von Monika
Unser Plan:
Wir reisen von El Calafate in Argentinien mit einem Nachtbus (13h) nach Los Antiguos. Da die argentinischen Buslinien für einen guten Sitzkomfort und gute Liegesitze bekannt sind, hoffen wir auf ein paar Stunden halbherzigen Schlaf. So möchten wir dann gerade am darauffolgenden Morgen (ohne Zwischenstopp) das Niemandsland zwischen der Grenzstadt los Antiguos (Argentinien) durchqueren, um nach Chile Chico zu gelangen; von dort soll’s dann gleich weiter gehen; in 5h mit einem Bus nach Puerto Rio Tranquilo; so jedenfalls unser Plan...
Die kleine Gemeinde Puerto Rio Tranquilo liegt traumhaft schön am Zufluss des Rio Tranquilo in den Lago General Carrera, dem zweitgrössten See Südamerikas (Der grösste ist der Titicacasee - vielleicht sehen wir den ja auch noch?). Wir machen dieses Dorf zu unserem Reiseziel, da von Puerto Rio Tranquilo aus die berühmten Marbel Caves mit einem Boot zu erreichen sind; und eben diese würden wir gerne sehen.
Bevor ihr aber erfahrt, wie Rio Tranquilo und die Marbel Caves aussehen, hier zuerst einige Impressionen einer langen Reise, die selbst zu einem Erlebnis wurde, von dem man was erzählen kann.

Das ist unser Bus für die Reise durch das Land der Guanacos. (El Calafate - Los Antiguos).
Auf dieser Strecke gibt’s zwar schöne Sonnenuntergänge und Wolkenbilder zu bewundern aber sonst gibt‘s neben der Schotterpiste - nichts. Nichts ausser typisch patagonischer Grasbüschel-Vegetation und ein paar Guanacos. Keine Strassen, keine Häuser, keine Weiden oder Äcker, keine sichtbaren? Vögel, Kühe oder Pferde.


Während der gesamten 13 Stunden Busfahrt auf Sand und Schotter kreuzen wir sage und schreibe 5 Fahrzeuge. Davon sind 3 Busse. Der Bus rattert stetig über die Strasse und hört sich dabei an, wie eine Popcornmaschine, da ständig Steine und Steinchen an die Karrosserie gespickt werden. Dazu kommen, neben dem Brummen der Motoren, diverse Lüftungs- und sonstige pfeiffende Geräusche, die, wie Thierry bemerkt, etwa in Terz-Akkorden die Reise „versüssen“. Na ja und im Bus schlafen ist trotz Liegesitzsystem so eine Sache..:-/
Als wir nach 14h Dauerbrummen schliesslich mit einer Stunde Verspätung in Los Antiguos aus dem Bus steigen, sind wir nicht wirklich ausgeruht. Die Ohren sind ganz taub. Wir orientieren uns kurz und ordern dann ein Taxi, das uns zur Grenzstation von Los Antiguos bringen soll. Durch das Niemandsland zwischen den Ländern, fahren die Taxis nicht. Also steigen wir am Grenzposten aus, um die Ausreiseformalitäten zu regeln. Das läuft auch alles ganz gut und ohne Warteschlange oder sonstige Verzögerungen. Der Grenzübergang scheint wenig genutzt. Der Zöllner stempelt die Ausreise und schickt uns mit einem „pueden ir“ (*sie können gehen) vom Schalter. Thierry fragt, bevor wir uns abwenden, wie lange denn der Fussmarsch durch das Niemandsland zum Grenzposten von Chile Chico dauert. Der Zöllner hält 5 Finger in die Höhe - „cinque minutos“? fragen wir zurück, „cinque kilometros!“ meint der Zöllner ohne eine Miene zu verziehen. Okay?! Na ja wir haben zwar relativ leichtes Gepäck aber dieser Fussmarsch auf einer für Autos angelegten Strasse, die ein seltsames U beschreibt, während das Grenzhaus des chilenischen Zolls in Sichtweite durch die Büsche scheint, ist nach einer durchwachten Nacht nicht was wir dringend haben müssen. Und Busse gibt‘s nicht, Taxi fahren keine... da bleibt nur noch die Hoffnung auf private Reisende, die Mitleid mit den zwei Gringos haben und uns aufladen. Da sich aber keine weiteren Reisenden am Zoll einfinden, gehen wir mal los...dies jedoch in der festen Überzeugung, dass die herzlichen Chilenen sicher nicht an uns vorbeirauschen werden...falls es an diesem Morgen noch weitere motorisierte Grenzgänger geben sollte.


Und so ist das dann auch! Nach circa 10 Minuten nähert sich ein kleines Auto mit einem Ehepaar, das uns ganz selbstverständlich in ihre kleine Coche einlädt und bis zum Grenzposten von Chile Chico bringt. Danach warten die Beiden auf uns, bis wir alle Einreiseformalitäten hinter uns gebracht haben und fahren uns in‘s Zentrum von Chile Chico. Damit nicht genug, sie erfragen für uns den Abfahrtsort des Buses nach Rio Tranquilo und die Lage der Tourist Information. Muy serviciales! Wir verabschieden uns von den beiden „Engeln“ mit herzlicher Umarmung.
Wir gehen nun also in die Tourist Information, da wir wissen wollen, wie genau das nun mit den Busverbindungen nach Puerto Tranquilo aussieht. Das Ganze liess sich leider nicht verbindlich im Netz recherchieren; wir haben aber eine Information, dass der Bus um 10.30h fährt.
Nun ja, das erste was wir erfahren: Der reguläre Bus ist bereits weg. Das zweite: der private Betreiber „Martin Pescador“ fährt auch jeweils nur einmal pro Tag - am Morgen, und auch der Bus ist bereits weg. Eine dritte mögliche Verbindung gibt‘s nur bis Puerto Guadal... und von da aus wären nochmal 1h Fahrt fällig bis Puerto Rio Tranquillo.
Als wir nun noch so dasitzen und in Spanisch :-) über mögliche „workarounds“ diskutieren, erscheint plötzlich in der Türe des Tourist-Offices der freundliche Chilene, der uns über die Grenze mitgenommen hat. Er verkündet uns, dass, er eben bei Martin Pescador Geld gewechselt habe und dieser ihm sagte, er hätte ausnahmsweise noch einen Bus, der um 12h Chile Chico verlasse!....Bingo!! Wir haben Glück! - dank der Vermittlung unseres „Angel“ sitzen wir zwei Stunden später (mit einem Cafe gestärkt und chilenischen Pesos ausgerüstet) in einem 8-Plätzer Bus und fahren (für einen mehr als vernünftigen Preis) mit privatem Driver über eine „spektakulär schöne“ Küstenstrasse. Wir geniessen persönlich Fotostopps und bewältigen die, im öffentlichen Bus mit 5h bezifferte Fahrzeit, in 3.5h.


Cabaña Rio Tranquilo, wir kommen...und freuen uns auf eine ausgiebige Mütze Schlaf :-)

Kommentar von Nosi |
Da hats aber viiiiiiiiiiel Platz. Wäre sicher schön mit dem Töff zu fahren. Super schöne Bilder.
Kommentar von Thomas |
... schööööööön .....