Das grösste Loch der Welt
von Monika
La Calama

Wir besichtigen das (gefühlt) grösste Loch der Welt und erkunden den Charme einer chilenischen Arbeiterstadt, die uns richtig gut gefällt, weil sich hier chilenischer Alltag ganz umgekünstelt und echt präsentiert.
Von La Serena reisen wir in 15 Stunden (Tages-)Busfahrt nach Calama, einer Stadt, die gemäss Reiseführer nicht viel für Touristen zu bieten habe. Wir wählen sie eigentlich als Zwischenstation zur Weiterreise nach San Pedro de Atacama. Als wir uns die Route nach Calama auf der grossen analogen Chile-Karte ansehen, entdecken wir nahe der Stadt einen roten Stern...aha die Stadt hat also doch einen Point of Interest! Und dieser ist unserer Meinung nach nicht zu verachten: die Kupfermine Chuquicamata, die grösste Kupfermine der Welt im „Über-Tag-Bau“. Wir recherchieren und finden heraus: Die Betreiberfirma Codelco bietet gratis Besichtigungen an! Als Entgeld kann man eine freiwillige Spende für ein Kinderhilfswerk machen. Das tönt doch interessant. Wir versuchen also für die zur Diskussion stehenden Tage einen Platz in der Tour zu bekommen. Leider ist alles ausgebucht. - Aber... es gibt eine Warteliste, die bei Nicht-Erscheinen von angemeldeten Personen die freien Plätze vergibt. Voraussetzung ist allerdings, dass man zum entsprechenden Zeitpunkt persönlich vor den Schaltern der Codelco erscheint. Gemäss den Berichten von anderen Reisenden, scheint die Warteliste, jedoch recht guten Erfolg zu bringen. Also lassen wir uns eintragen und tatsächlich, wir haben Erfolg: mit orangen Westen und Helmen ausgerüstet, sind wir Teil der Tour...und diese ist wirklich beeindruckend.
Hier noch einige Fakten zur Mine:
- 150t pro Lastwagen. Durchmesser des Reifens 4m
- Seit über 100 Jahren in Betrieb, 24 Stundenbetrieb, 365 Tage im Jahr. 2020 wird auf Untertagebau umgestellt.
- Gewonnen wird auch Molybdän (Luftfahrt) und Schwefel. Mit dem Erlös von Molybdän (wird zur Metallhärtung in der Luftfahrt eingesetzt) wird die ganze Kupferproduktion finanziert.
- Wasserintensive Gewinnung, 2000 Liter pro Sekunde, davon 80% Recycling
- 640‘000 Tonnen Gestein werden täglich losgesprengt (1/4 davon enthält überhaupt Kupfersulfide, in 1%-iger Konzentration)
- Der Prozess zur Herstellung der Kupferplatten ist leider auch umweltbelastend. So dass zum Beispiel die Arbeiterstadt 2004-2008 von der direkten Nachbarschaft der Mine weg umgesiedelt werden musste.
Kommentar von Nosi |
Extrem spannend.