Das Ei(s) des Kolumbus
von Monika
Wir geniessen argentinischen Sitzkomfort, finden sympathische Aufnahme im Pilzhaus und besuchen den Ort, wo das Ei(s) des Christoph Kolumbus bricht.
Gestern sind wir mit der Aerolinas Argentinas in knapp 4h von Buenos Aires nach El Calafate geflogen. Es war ein ruhiger Flug mit äusserst komfortablen Sitzen.
Das erste, was uns beim Landeanflug auffällt ist ein See mit umwerfend schönen, fein abgestuften, ineinander verwobenen blauen und braunen Tönen... und ein komisches weisses Schiff, ah nein sorry das ist ja die Spitze eines einsamen Eisberges, der im Zentrum des blaugrünen Leuchtens schwimmt. Und das, soviel sei hier verraten, ist erst der Anfang!

Diesmal lassen wir uns vom Flughafen abholen... ganz komfortabel mit Namensschild und privatem Transferbus, der uns zu unserer Unterkunft bringt. Das „Los Gnomos“ entpuppt sich als symphatische, kleine Pension mit allem was man braucht - ganz ohne dekoratives Tamtam. Der Gatgeber ist, das erfahren wir bei einem ersten Chat am Empfangstresen, ein patagonischer Nachfahre eines Auswanderers aus Pieterlen - ¡qué casualidad! - Wir fühlen uns hier schon gleich zu Hause und buchen kurzerhand und wild entschlossen (will sagen ohne das Wetter vorher zu checken ;-)) ein Mini-Trekking zum Perito Moreno Gletscher; weil, den wollen wir, das wussten wir schon zu Hause, unbedingt sehen.

Unser Gletscherabenteuer:
Nach einem feinen Frühstück verlassen wir die Pension mit einem kritischen Blick auf die Wetter-App: > hm... windy. Wir rüsten uns mit allem, was wir für die eher kälteren Klima-Zonen in unser Minimal-Gepäck verstaut haben. Gute Schuhe, Pullis, Regenjacke, warme Kappe, Handschuhe und Buff... sowie Sonnencreme und Brille für unser Gletschertrekking. Natürlich haben wir wegen des Gewichts-Reduktions-Kompromisses keine schwere dicke Hochgebirgs-Kleidung dabei, aber inspiriert vom patagonischen Vorbild das Zwiebelschalenprinzip umgesetzt.
Eine echt patagonisches Erlebnis bahnt sich an...
Unser Trip beinhaltet verschiedenste Aktivitäten und Informationen rund um den weltberühmten Gletscher Perito Moreno, der im Nationalpark „Los Glaciares“ liegt. Zuerst fahren wir mit dem Bus in den Park. Auf dieser Reise erfahren wir, welche klimatischen und geografischen Elemente die Bildung des Gletschers beeinflussen. Der Perito Moreno erstreckt sich, damit man sich das plastisch vorstellen kann, in etwa über eine Fläche so gross wie Buenos Aires! Der Abbruch am Ende der Gletscherzunge ist zwischen 50 und 70m hoch. Die Schneemassen, die in den Andengipfeln fallen, verdichten sich auf ihrem Weg hinunter in die Ebenen Patagoniens und schieben den Gletscher täglich 2m in den Lagos Argentino. Dort brechen dann riesige Eismassen von der Front des Gletschers und landen unter dumpfem Getöse im Wasser. Der Gletscher „kalbert“. Und ja, (hm...gut für den Gletscher, ;-/ ) in dieser Region regnet es viel...
Als wir nun also nach dieser instruktiven Busfahrt die Gletscherzunge erreichen, regnet es. Die Gletscherwinde sind eiskalt und der Himmel über dem Gletscher ist grau verhangen. Trotzdem ist das Erlebnis vor diesem riesigen Naturschauspiel umwerfend, weil fast surreal. Der Gletscher scheint inmitten der grauen Wolken, die ihn umgeben, neonartig blau zu leuchten und das tosende Brechen des Eises trägt das Seinige zur Atmosphäre bei. Trotz klammer Hände, können wir unsere Finger nicht von der eisigen Kamera lassen, denn jede weitere Ansicht, die man auf den gut ausgebauten Wegen vor der Gletscherzuge erwandert, ist einfach nur eines: fantastisch schööööön!




Als wir nach dieser ersten Wanderung vollkommen durchfroren wieder zum Schutzhäuschen aufsteigen, können wir uns nur schwer vorstellen später noch ein zweistündiges Steigeisen-Trekking auf dem Gletscher zu bewältigen. Es ist uns einfach zu nass und mit dem Wind richtig eisig kalt.
Nach dem (leckeren) Lunch auf den Heizkörpern des Restaurants, fahren wir weiter zum Hafen und kreuzen mit einem kleinen Boot zum südlichen Ufer. Auch diese Fahrt bietet erneut faszinierende Ansichten. So hält es uns nicht im geschützten Rumpf, sondern wir steigen die Treppe hoch zum windigen Deck des Schiffes und staunen vor diesen Eisformationen. Diese sind in etwa zur Zeit von Christoph Kolumbus in den Anden als Schnee gefallen; Wir sind nun also an dem Ort, an dem das Ei(s) des Kolumbus bricht...



Und ja wir haben Schwein, der Regen lässt nach, die Südflanke ist windgeschützt. Nach und nach bricht die Sonne durch die Wolken, bis schliesslich der ganze Gletscher vor blauem Hintergrund erstrahlt.
So können wir bei angenehmen Temperaturen unsere ersten Gehversuche mit den neuen „schweren Füssen“, (den Steigeisen) machen und immer schön im Gänsemarsch in die Fusstapfen unseres Guides treten. Wir erklimmen die südliche Flanke des Gletschers um circa 100 Höhenmeter und dürfen sogar einen kleinen Abstecher in einige stabile Gletscherspalten machen. Für uns Bergsteiger „Newbies“ ein fantastisch schönes Erlebnis in einer einmaligen Szenerie.
Und zum Abschluss der Tour gibt‘s einen Whisky on the Rocks...the Rocks natürlich aus 500 Jahre altem Gletschereis.



Kommentar von Nosir |
Wow, unglaublich schön!!!
Kommentar von Pesche Balsiger |
Super Blog - macht's gut. Gletscher sehen phantastisch aus.
Kommentar von Thomas |
Cooool ... (auch im wörtlichen Sinn .. :) )
Kommentar von Thorsten |
Toll