Reise an die Westküste - Zeit um über den Sinn des Reisens nachzudenken
von bluegecko · 👁 48 Aufrufe
Wir Reisen mit dem ÖV von Mazuyama nach Tottori - eine Reise von circa 8h.
Einfach hier leben
Wenn man lange Zeit hat, ein Land zu bereisen, stellt sich nach einer gewissen Zeit die Wahrnehmung um. Das Fremde wird Normalität, der Ausnahmezustand wird Alltag. Was zuerst tausend Fragen aufwirft, kann eingeordnet werden, die Bewegungen im fremden Kulturkreis werden vertrauter und entspannter. Einer der grössten Schätze der Reise liegt eigentlich darin, den Alltag zu leben.
Dieser Artikel gibt einen kleinen Eindruck von japanischer Lebensart - Kleinigkeiten aus dem Alltag, die uns auffallen, da sie eben anders funktionieren und vielleicht auch Aufschluss darüber geben, was japanisches Lebensgefühl ist.
ÖV
Die Organisation des öffentlichen Verkehrs ist mit vielen Regelungen und Dienstleistungen verknüpft, die es den Reisenden ermöglichen, in angenehmer und die Privatsphäre schützendem Ambiente zu reisen. Fast alle Reisenden sind sich ihrem Platzbedarf (inklusive Gepäckstück) bewusst und es kommt eigentlich nie zu unbeabsichtigtem Anrempeln oder Körperkontakt mit Fremden.
Der pure Gegensatz zu unseren Reiserfahrungen beispielsweise in Vietnam, wo es total normal ist, dass sich dein Sitznachbar im Bus gemütlich an deine Schulter lehnt, wenn er gerade mal ein Nickerchen machen will (Busfahren auf Vietnamesisch).
Züge werden bei der Einfahrt in den Bahnhof vom bereit stehenden Bahnhofspersonal mit einer tiefen Verbeugung begrüsst. Und der durch die Züge patroullierende Schaffner verbeugt sich kurz vor dem Betreten und beim Verlassen des Waggons.
Einsteigestellen und Warteschlangen sind klar signalisiert und organisiert. Ein Vordrängeln oder einen Rush auf freie Plätze haben wir bis jetzt noch nie erlebt.

Züge, die längere Strecken bedienen, werden nach ihrer Einfahrt in den Bahnhof von bereitstehenden Reinigungskräften innerhalb von 5 bis 10 Minuten gründlich geputzt (inklusive aller aufklappbaren Tischchen). Alle Sitze werden neu ausgerichtet. Erst danach wird der Zug freigegeben, um neue Reisende aufzunehmen.
Für uns faszinierend war das „Umdrehen der Sitze“ im „limited express“ von Okayama nach Tottori. Was meint: um zu jeder Zeit (auch nach der Einfahrt in einen Sackbahnhof) vorwärts fahren zu können, wechseln die Reisenden nicht die Sitze, sondern alle Reisenden in einem Waggon erheben sich und von vorne nach hinten choreografiert, drehen alle ihre eigene Sitzbank um. (Vrgl. den kleinen Film)
Hmm 🤔 wo befindet sich denn nun die Wasserflasche, die ich vor mir in das Netz an der Rücklehne des Sitzes vor mir geklemmt hatte?
Jeder Dolendeckel - ein kleines Kunstwerk

Beginn: Die speziell designten Deckel tauchten erstmals 1977 in Naha auf Okinawa auf (mit Fischen im geklärten Wasser).
Boom in den 1980er-Jahren: Ein landesweites Projekt zur Modernisierung des Abwassersystems motivierte Kommunen dazu, eigene Designs zu entwerfen, um die Akzeptanz bei den Bürgern zu erhöhen.
Farben: Seit 1981 werden farbige Varianten hergestellt, die oft in Handarbeit bemalt oder mit Kunstharzbeschichtungen versehen werden.
Unterdessen hat nicht nur jede Gemeinde ihr eigenes Sujet. Es gibt auch Sondereditionen zu Themen der Pop-Kultur und technische Schmankerl wie Solarbetriebene LED-Varianten.
Amenities
Badesalz - Toothbrush - Nursing rooms - Nachtgewänder…
Kleine Geschenke und Dienstleistungen an den Gast… darin sind japanische Hotels erfindungsreich. In vielen Hotels gehört es zum guten Ton, wenn hoteleigene Pyjamas bereit liegen…In vielen Hotels gibt‘s auch Waschmaschinen, freien Kaffee, Säfte oder Suppen… das Foto hier zeigt eine Theke zur Selbstbedienung mit verschiedenen Badesalzen…

The Art of Waiting
Geordnet und geduldig zu warten ist in Japan eine Selbstverständlichkeit. Gäste des Restaurantes, die spontan erscheinen, tragen sich zuerst in eine Gästeliste ein, setzen sich auf die extra dafür vorbereiteten Sitzgelegenheiten im Eingang oder stellen sich in eine wohlgeordnete Warteschlange vor die Tür.
Kommentare
Kommentar von Antoinette |
Liebe beide
So spannend, was ihr da alles erlebt! Diese kulturellen Unterschiede und Verhaltensweisen, die Landschaften und farbigen Städte und natürlich da leckere Essen!
Toll, da will ich auch mal hin :-)
Geniesst es
Antoinette
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