Jazz Classic, Moto Samurai und traditionelle Architektur

von Monika · 👁 41 Aufrufe

Seiyo

Auf unserer Reise von Ono nach Yawatahama (dort werden wir das Auto zurückgeben) machen wir einen Zwischenstopp im Kaffee „Sound“  weil da gibt’s  einen Einblick in die japanische Jazz-Kultur.

Schon bei der Vorbereitung unserer Japanreise in der Schweiz war ich auf Videos über die sogenannten Jazz Kissa gestossen. Diese japanischen Jazz-Cafés entstanden als Orte, an denen man Musik nicht einfach nebenbei hört, sondern sich ganz bewusst darauf einlässt – oft auf aussergewöhnlichen Anlagen mit grossen Lautsprechern, Röhrenverstärkern und einer beeindruckenden Plattensammlung. Das hatte mich schon damals sehr fasziniert.

Dass wir dieser besonderen japanischen Hörkultur auf unserer Reise tatsächlich begegnen würden, hatte ich zwar gehofft – nur sicher nicht hier und schon gar nicht völlig ungeplant. Bei unserem Besuch im kleinen Unomachi stiessen wir eher zufällig auf das Sound器. Kaum eingetreten, erinnerte mich vieles an jene Jazz Kissa aus den Videos: die Schallplatten, die Röhrenverstärker und vor allem die riesigen Lautsprecher, die den Raum dominieren.

Die Betreiberin erzählte uns, dass ihr Mann diese Lautsprecher selbst nachgebaut habe – nach dem Vorbild einer der frühen grossen Lautsprecheranlagen, wie sie ab den 1920er-Jahren für die ersten Tonfilme in Hollywood verwendet wurden. Ein faszinierendes Stück Audiogeschichte, hier in einem kleinen Ort auf Shikoku nachgebaut und noch immer in Betrieb.

Sie erklärte uns auch die Bedeutung des Namens Sound器. Das Zeichen 器 – utsuwa bedeutet unter anderem „Gefäss“. Sie selbst beschrieb ihr Café deshalb als „Sound Vessel“ – gewissermassen als ein Gefäss für Klang, in dem Musik den Raum bekommt, den sie verdient.

Aber nicht nur die Musik wurde mit viel Hingabe zelebriert. Zu einem sehr leckeren Stück Apfelkuchen mit Vanilleeis bekamen wir Kaffee, der für jede Tasse einzeln zubereitet wurde. Besonders fasziniert hat mich die eindrucksvolle gläserne Drip-Apparatur, bei der das Wasser langsam Tropfen für Tropfen durch den Kaffee läuft. Als Hobby-Barista zu Hause konnte ich natürlich kaum anders, als mir das ganz genau anzuschauen.

Die Betreiberin war ausserordentlich herzlich. Als „First Time Customers“ durften wir zum Abschied sogar eine Single auswählen und als Geschenk mitnehmen.

Ein völlig ungeplanter Fund auf unserer Reise – und gerade deshalb einer dieser Orte, die besonders in Erinnerung bleiben.

Mehr zum Café und seiner aussergewöhnlichen Anlage findet man auf der offiziellen Seite von Cafe Sound器:
https://ameblo.jp/basswit/

 

Alte japanische Architektur

Im Anschluss daran gibt’s einen Spaziergang durch das Dorf, das seine historischen Häuser gepflegt präsentiert. Schlendernd fühlt man sich um Jahrhunderte zurückversetzt :)

Und warum Moto-Samurai?

Leider haben wir uns nicht getraut von diesem Kaffe-Besucher richtig schöne Fotos zu machen… Denn sein Outfitt war wirklich Klasse 1a. Von Kopf bis Fuss auf florale Motive abgestimmt, mit aussen sichtbaren Panzerungen. Als er seine Jacke auszog, kam ein T-Shirt mit einem aufgedruckten Samurai-Schwert auf dem Rücken zum Vorschein.  was für ein selbstbewusstes Styling :)

Shabu Shabu

Am Abend essen wir Shabu Shabu in Mazuyama. Shabu Shabu ist ein traditionelles japanisches Hot-Pot-Gericht (Nabemono), bei dem hauchdünne Scheiben von Fleisch und frisches Gemüse gemeinsam am Tisch in einem Topf mit kochender Brühe kurz gegart werden.

🤓 Der Name „Shabu Shabu“ ist lautmalerisch. Er ahmt das leise „Swish-Swish“- oder „Schwapp-Schwapp“-Geräusch nach, das entsteht, wenn man das Fleisch mit Stäbchen durch die heiße Flüssigkeit hin und her schwenkt.

Shabushabu No Uzushio -しゃぶしゃぶの渦潮 (Der Shabu Shabu-Gezeitenstrudel)

Die kreisende Bewegung im Topf erinnerte mich unweigerlich an den berühmten Naruto-Strudel – nur in deutlich kleinerem und genussvollerem Massstab. Daraus entstand Shabu-Shabu Whirlpool: eine fliessende Musik mit einer ruhigen Soloposaune über einem weichen Streicherklang. Später tritt eine zweite Stimme hinzu, die die Melodie mit kleinen Girlanden umspielt und so den musikalischen Strudel immer weiter in Bewegung bringt.

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Kommentare

Kommentar von Monika |

Es sind unglaublich schöne Eindrücke, die ihr mit uns teilt 😘. Ich wünsche euch weiterhin tolle Erlebnisse und viel Freude auf eurer Reise, machets guet und liebe Grüsse Monika

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