Geschüttelt, nicht gerührt!

Wenn man denkt es könnte nicht noch mehr werden, wird es noch mehr. Es haben immer mehr Menschen Platz in einem Bus als man denkt, man findet immer noch ein Plätzchen für 50 kg Reis, die Strasse kann noch holpriger werden und die Fahrt dauert doch noch länger. Aber was für ein schönes Erlebnis!

Heute reisen wir nach Sam Neua. Die Hauptstadt der Provinz Houa Phan liegt 220 km nordöstlich von Phonsavanh und soll nach Fahrplan mit einem Kleinbus in 8h zu erreichen sein.

Wir fahren mit einem Tuktuk um 7:00h vom Hotel weg und geniessen eine kleine gemütliche Morgentour mit seichter Musik zum Busbahnhof. Der Kleinbus fährt um ca. 7:30h in den Busbahnhof ein. Als wir den Zustand des Kleinbusses sehen, schwant uns....

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Noch ist der Bus leer. Jedoch schon nach wenigen Minuten schwärmen die Busreisenden herbei und flugs ist er bis unters Dach (und auf dem Dach) mit Gepäck gefüllt, bzw. überfüllt, (denken wir!) Um 8:00h fahren wir pünktlich von Phonsavanh los und sammeln unterwegs noch weitere Fahrgäste mit jeweils sehr sehr sehr viel Gepäck auf. Der Bus wird betreut von einem Fahrer und einem "Boy für alles", der die Aufgabe hat, das Gepäck der Reisenden zu verstauen und zu vertauen. Er ist ferner auch dafür verantwortlich, den Bus fahrtüchtig zu halten. Er füllt bei Gelegenheit Bremsflüssigkeit nach, hilft der maroden Batterie beim Starten durch einen Tritt mit den Flip Flops und macht den Fahrer auf allfällige Schwierigkeiten mit den Rädern oder dem Gepäck aufmerksam. Er klettert während der Fahrt aus dem Fenster aufs Dach, werkelt da herum oder fährt auf dem Dach sitzend mit. Manchmal klettert er wieder in's Fahrzeuginnere zurück und steht dann in der offenen Tür des Fahrzeugs. Der Bus ist unterdessen so voll, das neu Zusteigende über die 50kg Reissäcke auf dem Fahrzeugboden steigen müssen, um eventuell noch eine improvisierte Sitzgelegenheit auf einem Klappsitz oder auf einer Abdeckung zu erhaschen. Unser Gefährt beginnt die ersten der vor uns liegenden Berge zu erklimmen und stiebt und rattert wie ein Weltmeister. Die entstehenden Vibrationen liefern eine gratis Fussmassage. Der Lärmpegel ist etwa der einer Diskothek vergleichbar. In den Steigungen fahren wir meist im ersten Gang, da der zweite bereits vollkommen überfordert ist. Als Durchschnittsgeschwindigkeit ergeben sich etwa 25km pro Stunde. Aber: wir kommen voran! Und der grosse Vorteil ist, bei der Geschwindigkeit kann es den Fahrgästen in den Kurven gar nicht schlecht werden. Einzig stellt sich für den Fahrer manchmal die Schwierigkeit auszuwählen, welches Schlagloch denn nun weniger tief ist. Die Laoten sehen dies alles mit der ihnen typischen Gelassenheit. Wenn jemand kurz ein Paket bei einer Hütte holen muss, oder etwas irgendwo abliefern möchte, hält der Bus einfach solange bis alles zu aller Zufriedenheit erledigt ist. Keiner mault oder hetzt.

Die Landschaft scheint, wie wir es schon fast gewohnt sind, von der Zivilisation praktisch unberührt. Als sich die Täler der Hügellandschaft lamgsam weiten, einige Stromleitungen und Reisfelder in Sicht kommen, ist Sam Neua nicht mehr weit. Nach 9 Stunden und 30 Minuten sind wir am Ziel.

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