Erstens kommt es anders...

Wie sagte doch schon Rüdiger Hoffmann: Tadamm! Da muss man locker bleiben!

Reise von Siem Reap nach Ban Khong Khwang; in dieser Reise steckt der Wurm. Da gibt's nur eins...Viel, viel laotische Gelassenheit!

Wir brauchen 13 Stunden für circa 300 km und diesmal liegt es weder am Zustand der Strassen, noch an der Topografie der Strecke, noch am überlasteten Motor des Buses. Diesmal liegt es wohl einfach "an der Tücke des Objekts".

Bereits im Vorfeld unserer Fahrt lesen wir, dass die Reise vom kambodschanischen Siem Reap ins thailändische Bangkok mit einigen Tücken behaftet sei. Obwohl die Strecke keinerlei sichtbare topografische Probleme aufweist. Sprich: es handelt sich um eine gut ausgebaute Strecke, welche praktisch schnurgerade durch die Ebene läuft. Zudem wird sie von recht modernen Bussen befahren. Trotzdem ist es nicht möglich die Ländergrenze bequem in einem einzigen Fahrzeug zu überqueren.

Das Prozedere spielt sich theoretisch (ohne anderweitige Zwischenfälle) etwa wie folgt ab:

  1. Mit privater Busgesellschaft von Siem Reap zur kambodschanischen Grenzstadt Poi Pet fahren.
  2. Gepäck ausladen, individuell mitführen und zum kambodschanischen Zollhäuschen wandeln.
  3. Dort angekommen: Visa ausstempeln lassen (Handscan und Gesichtserkennung)
  4. Circa 300m durch das "Niemandsland" gehen; wobei dieses Niemandsland dicht von Casinos und Duty Free Verkaufsständen besetzt ist.
  5. Einreiseformalitäten am thailändischen Zoll erledigen.
  6. Einen Transfer (Tuktuk oder ähnliches) organisieren, um zum öffentlichen Busbahnhof der thailändischen Grenzstadt Aranyaphrateth zu gelangen.
  7. Busfahrt nach Bangkok in einem öffentlichen Bus. In Ban Khong Khwang bei Prachin Buri die Fahrt unterbrechen und aussteigen.

Nun das wäre theoretisch der Plan, die Praxis spielte sich dann inklusive der "anderweitigen Zwischenfälle" in etwa so ab:

Zuerst brauchen wir schon mal zwei Anläufe, bis wir die Fahrt mit einer privaten kambodschanischen Busgesellschaft namens "Amazing" im Sack haben. Die Reise soll nach Fahrplan 3h dauern.

Am Morgen der Reise müssen wir uns zwischen 7h und 7.30h bereit halten, damit uns die Gesellschaft vom Hotel abhole. Wir warten 1,5h Stunden in der Lobby, bis uns schliesslich der Gerant des Hotels ein Tuktuk organisiert, das uns zum Bus fährt, der vor einem anderen Hotel der Stadt wartet. Als wir endlich mit dem Bus losfahren können, legt dieser bereits nach circa 45 Minuten Fahrt bei einem Shop einen "Toilettenhalt" ein. Der Shop führt ein gemischtes Angebot an Reiseverpflegung und Last-Minute Souvenirs...o.k.?

Danach geht's weiter. Wir halten noch einmal auf offener Strecke, damit der Fahrer sich was von einem Strassenstand kaufen kann und dann noch einmal für 30 Minuten für einen Mittagessenstopp bei einem "internationalen Busbahnhof", und zwar 15 Minuten vor Ende der Fahrt!...hm..da muss man locker bleiben...Danach geht's endlich weiter und die restlichen 20 km bis zur Grenze.

Die Ausreise aus Kambodscha und der Fussmarsch durchs "Casino-Niemandsland" klappen gut.

Dann kommt ganz unerwartet der Hammer: Wir stehen geschlagene 4 (vier) Stunden bei brütender Mittagshitze vor dem thailändischen Immigrationsbüro in der Schlange. Diese ist zwar nur etwa 50m lang, bewegt sich jedoch quälend langsam voran. Es ist dem "normal Sterblichen" nicht veständlich, wie man eine derart träge Abfertigung überhaupt zu Stande bringt... ausser er wüsste, dass es da noch eine sogenannte Expressabfertigung gibt, bei der jeder Übertritt mit 10 Dollar zusätzlich bezahlt werden muss...alles klar?... hm...da muss man locker bleiben.

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Nachdem wir die Zollformalitäten endlich erledigen konnten, kommen wir, vollkommen ausgepumpt vom Stehen in der Hitze, um circa16.30h aus dem thailändischen Zoll. Wir denken nur: jetzt aber endlich weiter, wir haben noch mindestens drei Stunden Reise vor uns! Da kommt ein junger Mann auf uns zu und bietet uns an, uns mit einem Mini-Van für umgerechnet circa 22 Dollar die verbleibenden 150 Kilometer direkt zu unserem Hotel in Ban Khong Khwang zu bringen. Der Preis ist für thailändische Verhältnisse zwar eher hoch, dafür haben wir aber eine Klimaanlage, keine TukTuk Kosten zum Busbahnhof und einen direkten Drop-off beim Hotel. Wir gehen in die Agentur und machen mit dem Manager den Deal klar.

Kaum ist das Geld über den Tisch, kommt die erste Enüchterung: Weiterfahrt ist erst um 18h. Hm...also...dann halt...Thierry nutzt die Zeit, um das Hotel über die Verspätung zu informieren. Monika muss sich unbedingt die Nase pudern und geht auf die Suche nach einer Toilette. In der Zwischenzeit organisiert der Manager der Agentur einen Platz in einem öffentlichen Bus, ohne uns irgendwie darüber in Kenntnis zu setzen. Er bezahlt angeblich den Fahrer und möchte, dass wir mit diesem Bus mitreisen. Dies weist Thierry, da sein Schatz zwischenzeitlich abwesend ist, natürlich mit Nachdruck zurück. Er will einfach nicht ohne seinen Superschnuck aus Asien weg. Der Buschauffeur ist verärgert und will nicht länger warten. Der Bus fährt folglich ohne uns ab.

Nachdem Monika mit gepuderter Nase um circa 17.20h zurück ist, behauptet der Manager, dass dies der letzte Bus an diesem Nachmittag nach Bangkok gewesen sei. Er meint, wir müssten ein Taxi für 80 Dollar nehmen, um nach Ban Khong Khwang zu gelangen. Dies geht uns nun entschieden zu weit. Wir fühlen uns über den Tisch gezogen. Wir haben einen Transfer mit einem Mini Van gebucht und möchten nun entweder den Transfer in der versprochenen Form oder unser Geld zurück. Das Geld will uns der Manager jedoch keinesfalls in Cash geben, sondern allenfalls in Form einer Anzahlung an die angebotene Taxifahrt. Wir riechen einen unglaublich faulen Braten, weigern uns ein von der Gesellschaft organisiertes Taxi zu nehmen, da wir weder den regulären Taxi-Preis kennen, noch mit dem Taxifahrer aushandeln können, wieviel der Manager effektiv an die Fahrtkosten zahlt. Wir bestehen darauf, dass wir unser Geld in Cash zurückbekommen, damit wir uns selbst organisieren. Wir setzen uns mit unserem Gepäck vor den Eingang der Agentur, schalten auf standfest und geben nicht nach. Als der Manager nach einigen Wortgefechten merkt, dass aus diesen zwei Langnasen nicht noch mehr herauszuquetschen ist, verschwindet er kurzerhand um "etwas" abzuchecken. Nun sitzen wir da in der Pampas und warten mal wieder... Zum Glück sitzt ein Mönch ebenfalls vor der Agentur und beobachtet die ganze Szene. Dies gäbe zumindest einen Zeugen. Um circa 17.40h ist der Manager zurück, sagt es müsse jetzt schnell gehen und er habe noch zwei Plätze mit einem Bus organisieren können. Er verfrachtet uns mitsamt dem Gepäck kurzerhand auf Motorroller und fährt uns zur öffentlichen Busstation, lädt uns dort ab und verkündet, er habe zwei Plätze im regulären öffentlichen Bus bezahlt, der um 18h abfahren wird. Danach hat er es eilig, den Ort des Geschehens zu verlassen.

Wir erkundigen uns bei der Dame am Schalter und stellen fest, das stimmt. Wir können tatsächlich mit dem Bus mitfahren. Auf unsere Rückfrage stellt sich dann heraus, dass der reguläre Preis des Tickets jedoch nur circa 6 Dollar beträgt...o.k...dann halt...da muss man locker bleiben! ;-).

Wir sind einfach nur froh, dass es weiter geht.

Der Rest der Reise ist unauffällig und wir kommen ziemlich müde in stockfinsterer Nacht in der Palm Garden Lodge an. Wir hatten zuvor dem Buschauffeur die Adresse bekanntgegeben wo wir aussteigen wollten - und das hat prima geklappt.

Und die Moral von der Geschicht': Ein Plan ist nur eine Vermutung über eine mögliche Zukunft. Hatten wir dies nicht schon mal in einem Beitrag erwähnt?

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