Ein unvergesslicher Trek zu den Hmongs - Teil 1
Wir haben ein unvergessliches Trekking in den Urwald zu den Hmongs unternommen. Unser Guide, Vang, hat uns sehr viele Dinge über das Leben dieser Bevölkerung erzählt und uns über Stock und Stein zu ihnen geführt.
Was wir in den letzten zwei Tagen erlebt haben, ist fast nicht in Wort und Bild zu fassen. Wir haben ein Trekking hinter uns, von dem wir körperlich ziemlich erschöpft jedoch tief beeindruckt zurückgekommen sind. Wir sind eingetaucht in eine fremde Welt und Kultur, von der man nicht glauben kann, dass sie heute noch in dieser Form Bestand hat.
Organisiert haben wir diese zweitägige Tour an unserem ersten Tag in Phonsavanh über einen kleinen, quirligen Mann mit Namen "Mr.Yang". Wir haben Yang vor der Tourist Information in Phonsavanh angetroffen. Schnell sind wir mit ihm handelseinig geworden und haben, wie hier allgemein üblich, die Tour als Vorschuss bereits bezahlt.
Leicht gespannt sind wir deshalb, als das Tuk-Tuk, das uns von unserem Hotel abholen soll, nicht zum vereinbarten Zeitpunkt auftaucht... Nach zwanzig etwas bangen Minuten hören wir es jedoch den Berg hochschnaufen und wir sind erleichtert: unser Abenteuer kann losgehen.
Als erstes begrüsst uns Mr.Vang Kou, unser persönlicher Tour Guide, der, wie sich später herausstellt, erst 23 Jahre alt ist und aus dem Volk der Hmong stammt. Vang nimmt uns unter seine Fittiche und ist ein witziger, intelligenter und feinfühliger junger Mann. In den nächsten zwei Tagen lernen wir viel von ihm über das Leben, die Geschichte und die Mythen der Hmong, ebenso wie über die Pflanzen und Tiere im Dschungel. Er führt uns durch die laotischen Berge, schlägt für uns mit seiner Machette Wege durch den Regenwald, rettet uns vor Blutegeln, stellt sicher, dass wir steile Aufstiege durch Fels und Wasser sicher überstehen und schleppt nicht zuletzt viel viel Essen für zwei hungrige Farangs in seinem Rucksack mit. Dabei ist er gerade so gross, dass er uns beiden bis zur Brust reicht.

Nach einer 45-Minütigen holprigen Fahrt mit Einheimischen in einem "Songthaew" erreichen wir die Siedlung "Ban Tha Jok" (auch bekannt als das "Bombendorf") und beginnen unsere Wanderung zuerst ganz harmlos durch Reisfelder auf einem blumengesäumten lehmroten Weg. Wir überqueren eine federnde Hängebrücke und bald schon beginnt der Weg zu steigen...nicht zum letzten Mal, wie wir im Nachhinein mit Blick auf den Zustand unserer Beinmuskulatur schmerzlichst feststellen können.

Etwa 4h dauert unsere erste Etappe durch Sekundärwald und entlang von Bergkämmen.

Das Picnic serviert man im Dschungel auf einem frisch geschlagenen Bananenblatt und isst es direkt mit der Hand: Sticky Rice, frittierte Büffelhaut und laotische "Stir fried" Gerichte zaubert Vang aus seinem Rucksack. Nach 4h anstrengenden Auf-und Abs erreichen wir schweissgebadet unser erstes Ziel: Das Hmong Dorf Ban Phakeo. Dieses liegt auf einem kleinen Hügel und ist vollkommen umgeben von Regenwald. Ein kleines Dschungeldorf gebildet aus 26 Familien, durch das keine Strasse führt und das auch von keiner Strasse erschlossen wird. Es gibt im Dorf keine Elektrizität. Das Wasser müssen die Familien von einer zentralen Wasserstelle aus mit Kübeln zu ihren Häusern hochtragen. Eine der Hütten des Dorfes dient als Unterkunft für maximal 8 Trekker. Der Schlüssel zum Haus kann beim Dorfchef organisiert werden.






Nach einer kurzen Verschnaufpause in der Hütte, in der wir später dann auch übernachten werden, wandern wir weitere 45 Minuten hinauf zur sogenannten "Jar Site Nr. 52". Dies ist eine Fundstelle von circa 400 historischen Steingefässen. Ähnliche Fundstellen finden sich überall auf der Hochebene von Phonsavanh (deshalb der Name "Ebene der Tonkrüge") und sind für viele Touristen der primäre Grund, diese Gegend zu besuchen. Die Herkunft und die Funktion dieser ganz aus Stein (und nicht aus gebranntem Ton!) gefertigten z.T. riesigen Töpfe, ist geheimnisvoll und bis heute umstritten. So nimmt sich auch Vang die Mühe sich erstmal mit uns hinzusetzen, um die verschiedenen Geschichten um die geheimnisvollen Gefässe zu erzählen. Einem Mythos der Hmong zufolge, stammen die Gefässe von einem riesigen Götterpaar, das nach der Vollendung der Gestaltung der Gegend den Abschluss des Werkes mit einem grossen Trinkgelage feierte. Die Gefässe wären demnach die nach dem Fest zurückgebliebenen riesigen Whisky-Gläser. Wissenschaftler schwanken zwischen einer Interpretation als Grabstätten oder Verstecken vor wilden Tieren. Wir streifen durch die stimmungsvolle Fundstätte die, dies sei am Rande erwähnt, für viel Geld erst vor kurzem von UXOs befreit wurde.





Danach gehen wir bei leichtem Nieselregen zurück nach Ban Pakheo und sitzen noch etwas auf dem Dorfplatz. Wir beobachten die Kinder beim Spielen (die Jugendlichen spielen "Kathong", eine Art Volleyball das nur mit den Füssen gespielt wird), grüssen die Dorfbewohner, die aus den Feldern zurück kommen und nun noch ihre häuslichen Pflichten erledigen. Wir sehen den Hühnern, Kücken, Schweinen, Gänsen und unzähligen Hähnen zu, wie sie das Dorf auf Nahrungssuche frei durchstreifen. Wir erhalten die Gelegenheit mitzuerleben, wie eine handbetriebene Steinmühle von zwei Jungen in Schwung versetzt wird und sich auf diese urtümliche Weise Mais in Mehl verwandelt. Wir können das Treiben an der Wasserstelle beobachten und sind überwältigt davon, wie anders diese Welt hier funktioniert. Die Zeit scheint hier stehengeblieben zu sein.




Nach Sonnenuntergang bringen uns zwei Hmong Frauen ein einfaches Abendessen, welches primär aus Reis, einer Art gekochtem Lattich und Huhn besteht. Nachdem wir uns satt gegessen und mit Vang noch etwas über die Kultur der Hmong geplaudert haben, legen wir uns hin und versuchen zu schlafen. Wer nun aber denkt, ein Dschungeldorf sei eine Oase der Ruhe hat sich gewaltig getäuscht. Der Lärmpegel ist so hoch, dass uns Bangkok jetzt wie ein abgeschiedenes, ruhiges Dörflein vorkommt. Ein ohrenbetäubender vielstimmiger Hahnen-Gesang ebbt in Wellen durch das Dorf. Die Hähne übertrumpfen sich gegenseitig. Wer glaubt, dass Hähne nur während des Sonnenaufgangs krähen, liegt definitiv falsch. Sie krähen aus Leibeskräften während der ganzen Nacht! Einzig unterbrochen vom Bellen und Heulen der Hunde, dem Lärmen der Enten und Gänse, Zirkaden und Grillen, Hängebauchschweinchen und der einzigen Katze des Dorfes. (Katzen sind bei den Hmongs nicht sehr beliebt, da sie womöglich mit bösen Geistern aus dem Urwald koppuliert haben und Unheil über ein Dorf bringen könnten.) Schliesslich gegen morgen, noch eine Stunde vor Sonnenaufgang (wir können das genau sagen, denn wir haben kein Auge zugetan) wird auch die Dorfmühle wieder in Betrieb genommen und schabt fröhlich in die Nacht hinaus... Als die Sonne um 6h dann tatsächlich aufgeht, erheben wir "Langnasen" uns ziemlich erschlagen von unerem Lager. Vang grüsst uns mit einem lächelnden Gesicht: "good morning!" - er hat hervorragend geschlafen :-)


Zweiter Tag am 29.10. 2012 weiterlesen...