Des Kaisers neue Kleider

Wir sind in der ehemaligen Kaiserstadt Hue angekommen. Dabei haben wir es mit existentiellen Fragen zu tun: In der Hitze zu Fuss oder mit dem Cyclo zum Hotel? Eine Dose Pringels oder doch lieber ein T-Shirt kaufen? Vegetarisch oder Carnivorisch? Fragen über Fragen...

"Softsleeper" nennen sich die Couchette Abteile, die wir im Nachtzug nach Hue gebucht haben. Dies meint dann in der Realität ein aufgehängtes Brett mit einer "Hauchdünn von Lindt"- Matratzenauflage. Nun, das einzige was wohl richtig eingeschlafen ist während dieser Nachtfahrt, sind unsere Arme. Dafür erhalten wir grosszügig Gelegenheit den verpassten Schlaf nachzuholen, da sich der Zug während des nächtlichen Gerumpels um circa zwei Stunden verspätet hat. Wir wollen uns jedoch nicht über diese 14 Stundenfahrt beklagen, denn schliesslich war dies einiges luxuriöser als Busfahren oder zu Fuss gehen...und mit Schweizer Bahnpreisen verglichen, trotz "Foreigner Ticket"-Preis, ein "Pappenstiel".

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Da unsere Ankunft in Hue sich nun in die Mittagszeit verschoben hat, ist es heiss und schwül. Trotzdem beschliessen wir zu Fuss zum Hotel zu gehen. Dies beschert uns einen schweisstreibenden Marsch entlang des Parfümflusses, einen ausgedehnten Kaffee- und Zwischenverpflegungs-Stopp und einen tropischen Regenschauer. Trotzdem erreichen wir unser Hotel mit Stolz, da wir, wie echte Backpacker, die Scharen von Auto bzw. Mofa-Taxis und Rikschafahrer mit Erfolg abgewimmelt haben. Nun ja zugegeben, wenn wir am Bahnhof schon gewusst hätten, wie lange wir Laufen müssen.....;-)

Unser Hotel ist ganz neu und ausserordentlich preisgünstig, und, dies sei am Rande erwähnt, eigentlich das Resultat eines "Vertippers" bei der Internet-Buchung. Ha, man kann ja auch Schwein haben!

Der Einfluss des grossen Bruders "China": Konfuzianische Strenge, Symmetrie und Hierarchie.

In der alten Kaiserstadt Hue besuchen wir die Zitadelle und die darin eingeschlossene "Verbotene Stadt". Dies ist der Bereich des Palastes, der nur dem Kaiser und seinem Staat (inklusive Harem und Eunuchen) vorbehalten war. Leider wurde die Anlage im Vietnamkrieg von den Amerikanern massiv bombardiert. Nur wenige der ursprünglich 136 Gebäude der Kaiserstadt haben den Bombenhagel überstanden. Die Rekonstruktion und Restauration der Anlagen wird wohl noch mehrere Jahrzehnte dauern... und wird, wie in Vietnam fast alles, was wir bis anhin gesehen habe, praktisch ohne Maschineneinsatz bewerkstelligt.

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Am Abend gehen wir noch in die Stadt, um Thierrys Garderobe etwas aufzufrischen. Hue hat ein grosses Angebot an Seidenwaren. Nach anfänglich vergeblicher Suche in den verschiedenen Geschäften werden wir unter den XXXXL-Klamotten dann doch noch fündig; und dies, obwohl Thierry seit unserer Abreise aus der Schweiz wohl drei Kilo verloren hat. Tja, wenn wir all die feingliedrigen, waschbrettbäuchigen Jünglinge um uns herum betrachten, erstaunt uns das ja eigentlich nicht. Thierry erwirbt sich zwei Baumwoll T-Shirts für umgerechnet 5 Franken sowie zwei Seidenhemden, um deren Preis er tapfer feilscht. (Zum Vergleich: eine Rolle Pringel Chips kostet 2.50.-)

Der Besuch in einem vegetarischen, von Mönchen geführten und bei Einheimischen überaus beliebten Restaurant, rundet unseren Tag in Hue ab. Morgen geht's dann per Bus weiter nach Hoi An.

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