Der Tag der drei Märkte -Thailand das Land der Gegensätze
Wir haben heute einen morgen mit Yui (siehe Blogeintrag vom 3.10.2012) ca. 100km südwestlich von Bangkok verbracht. Sie hat uns zu zwei sehr speziellen Märkten geführt - beide haben mit Transportmitteln zu tun.
Früh sind wir heute aufgestanden. Bereits um 5.45h weckt uns Eva Cassidy mit "Somewhere Over the Rainbow". Um 7.00 h stehen wir mit Yui vor dem Hotel um den Eisenbahnmarkt von Maeklong in Samut Songkhram und den schwimmenden Markt von Damnoen Saduak zu besuchen. Wir haben keine Vorstellung davon, was uns erwartet!
Der Eisenbahnmarkt
Wenn Platz begehrt und rar ist, kommen die Menschen auf die waghalsigsten Ideen. So haben die Händler des Marktes von Maeklong eines Tages bemerkt, dass die Geleise der Eisenbahn, welche den Markt des Dorfes durchqueren, quasi eine Handelsbrache auf ihrem Marktplatz darstellen. Da der Zug nur circa 8 Mal pro Tag in den Sackbahnhof des Dorfes einfährt, haben Dutzende von Lebensmittelhändlern den freien Raum kurzerhand mit ihren Ständen besetzt... und das heisst auf einem traditionellen asiatischen Markt: auf engstem Raum hunderte verschiedener Waren hinter- unter und übereinander gestapelt, tausende verschiedener Gerüche, verführerischer Düfte, ungewohnte, penetrant strenge, mitunter faulige Noten vermischen sich mit süssen und sauren Schwaden, schweben über Hühnerfüssen und Froschspiessen, Mango und Makrelen. Inmitten des bunten Durcheinanders kauern die Händlerinnen und hacken, schneiden und verpacken die Leckereien.
Die thailändis@chen Käufer drängen und verhandeln zwischen den Ständen. Wir grossgewachsenen europäischen Riesen weichen den Einheimischen aus und ziehen im Gedränge unsere Köpfe ein, da für uns hier alles etwas zu tief hängt. Ein helles Klingeln kündigt die Einfahrt des Zuges an. Die Menge gerät in Bewegung. Flugs werden Tische zusammengeklappt, Marquisen eingefahren, alles was höher als circa 30cm über die Geleise aufgestapelt ist, wird abgetragen, alles andere bleibt auf dem Trassee liegen. Inmitten des überfüllten Marktes entsteht eine "hautenge" massgeschneiderte Gasse aus Menschen und Ständen durch die der Zug mit Getöse rattert. Früchte und Gemüse verschwinden unter den Wagons und kommen hinter dem Zug wieder zum Vorschein. Es vergehen keine zwanzig Sekunden und die Gasse im Markt hat sich hinter dem Zug geschlossen, die Stände sind wieder aufgebaut, der Verkauf geht weiter. Durch klicken auf diesen Link wird ein kleines Video mit der Einfahrt des Zugs gezeigt.
Und weiter geht's auch für uns.
Wir fahren mit Yui nach Damnoen Saduak. Auf dem Weg dorthin erzählt uns Yui, was man aus Kokosnuss alles machen kann. Die leckere Kokosmilch und die uns bekannten Kokosflocken sind nur ein kleiner Teil der verschiedenen Produkte, die in Thailand aus den Früchten, dem Saft, den Nüssen, den Blüten, der Rinde und dem Holz der Palmen hergestellt werden. Die Palette reicht von Kulturgrund zur Zucht von Orchideen, über verschiedenste Schmuck- und Gebrauchsgegenständen aus den Schalen der Nüsse, über leckeren Zucker, der leicht nach Caramel und Vanille schmeckt bis zu eleganten Handtäschchen für die Dame von Welt. Auf einem kurzen Zwischenstopp auf einer Plantage können wir alle diese Güter besichtigen und verkosten.
Der schwimmende Markt von Damnoen Saduak
Zu Beginn machen wir mit einem Boot eine wunderschöne Fahrt durch die Bewässerungskanäle der Anbauflächen in der Region um Damnoen Saduak. Exotische Pflanzen und traditionelle Thaihäuser säumen die Ufer. Danach besuchen wir den schwimmenden Markt. Der Markt war ursprünglich ein reiner Tauschmarkt der Gemüse und Früchtebauern der Region. Die Bauern ruderten mit ihren vom Erntesegen gefüllten kleinen Barken zu einem bestimmten Bewässerungskanal und tauschten ihre Waren aus. Heute sind die Barken nicht nur mit Früchten und Gemüse beladen sondern ganze Garküchen sind in den Booten auf kleinstem Raum organisiert. Es wird geschält, gebraten und gekocht. Die Restaurantgäst hocken am Pier, lassen (sofern es kein Hochwasser hat) die Beine baumeln und nachdem man sich auf Distanz handelseinig geworden ist, wird die Ware und das Geld mit Hilfe eines, an einer langen Stange befestigten Korbes, über das Wasser ausgetauscht. Wir setzen uns also an die Piermauer und ordern zunächst zwei Frühlingrollen. Ermutigt durch unser erfolgreiches Geschäft, kosten wir noch den Saft einer grünen Kokosnuss direkt aus der mit einer Machete aufgeschlagenen Frucht. Wie immer: einfach lecker! Leider hat die Anwesenheit von schaulustigen Touristen auch den Charakter des Warenangebotes stark beeinflusst. Neben den traditionellen, von den Thais heissgeliebten Esswaren, ist der Markt heute auch stark durchsetzt von billigen Souvenirs. Trotzdem, ein tolles Erlebnis.


Nachdem wir uns nach unserer Rückkehr ins Hotel im und am Pool erholt haben, spazieren wir noch einmal in die Stadt um das MBK, eine riesige Einkaufs-Mall nach internationalem Gepräge in unserem Quartier zu besuchen. Hier findet Handel nun auf zeitgenössisch thailändisch, in klimatisierten und mittels der üblichen Rolltreppenfluchten erschlossenen Räumen, statt. Waren, Waren, Waren. Vom Paschmina Schal bis zum iPhone 5, von Calvin Klein Unterhose bis zur Süsswasserperle, das MBK lässt keinen Wunsch offen. Das MBK ist immens! Zwar sind die einzelnen Händler-Kojen im Schnitt wesentlich kleiner als in westlichen Malls, dafür sind sie aber um so praller mit Waren gefüllt. So entsteht inmitten von High-Tech und auf Hochglanz polierten Böden in vielen Abteilungen trotzdem die Stimmung eines Basars.


Völlig erschlagen von den Tageseindrücken finden wir noch gerade genug Kraft um in einem nahe gelegenen Thai Restaurant das zu tun, was hier schon fast wie atmen ist: Lecker essen!