Der Krieg in Laos
2000 Tonnen Bomben pro Einwohner - 9 Jahre verstecken sich 23'000 Menschen in Höhlen rund um das heutige Vieng Xay. Am 27.10.2012 haben wir zwei Ausstellungen zu den Folgen des Krieges in Laos gesehen. Heute haben wir an einer Führung im damaligen Kriegsgebiet teilgenommen.
Wir sind von Sam Neua nach Vieng Xai gereist, da wir hier Gelegenheit haben, Geschichte "life" zu erleben. Vieng Xai ist eine kleine Gemeinde, die inmitten einer idyllischen Landschaft aus karstigen Felsen und lauschigen Seen liegt. Dass hier nicht immer soviel Frieden herrschte, erfahren wir in einer geführten Tour durch die Höhlen um Vieng Xai.


Während des "Geheimen Krieges", den Amerika von 1964-73 gegen Laos führte, wurden pro Tag für 2 Millionen Dollar Bomben über Laos abgeworfen. Dies entspricht der ungeheuren Menge von 2000 Tonnen pro Einwohner. Laos ist damit das am schwersten bombardierte Land in der Geschichte des Planeten. Nicht einmal der zweite Weltkrieg kann mit dieser Menge an eingesetzten Sprengkörpern mithalten. Das Absurdeste daran ist, dass die bombardierte Bevölkerung lange gar nicht wusste, wer sie angriff, oder warum sie bombardiert wurde. Die Bauern des Grenzgebietes zu Vietnam flüchteten vor den täglichen Attacken der amerikanischen Luftwaffe in Höhlen, welche sich im karstigen Gebirge um Vieng Xai befinden. Von hier aus politisierte und agierte auch die Widerstandsbewegung "Pathet Lao". Der "Pathet Lao" strebte die kommunistische Neubildung eines unabhängigen Laos an und bekämpfte die königlich laotische Regierung in Vientiane, die ihrerseits von den Amerikanern unterstützt wurde. Die Amerikaner versuchten durch die Bombardierung der Stellungen des Pathet Lao und des Ho Chi Minh Pfades die weitere Ausbreitung des Kommunismus zu verhindern. Erreicht wurde (gemäss der Audioführung) jedoch eigentlich das Gegenteil. Die massive Bombardierung der Zivilbevölkerung löste einen gewaltiger Zulauf der unteren Schichten in die Widerstandsbewegung aus. 1975 übernahm der Pathet Lao die Macht im Land und führte Laos in den Kommunismus. Die ausgedehnten Höhlensystemen rund um Vieng Xai boten bis zu 23'000 Menschen Schutz. Das Leben einer ganzen Region verlegte sich während 9 Jahren unter Tag. Felder konnten nur noch während der Nacht bestellt werden. Jedes Feuer, sei es zum Kochen oder zur Kremation der Toten, musste akribisch getarnt oder vermieden werden. Weisse Hühner wurden getötet, da diese von den Bomberpiloten aus der Luft gesichtet werden konnten und den Aufenthaltsort der Menschen verraten hätten. Weisse oder helle Kleidung wurde geschwärzt oder im Dreck gewälzt, bevor sie getragen wurde. In den Höhlen entwickelte sich eine eigene Infrastruktur. So gibt es neben den Schutzräumen auch Höhlen, die als Küche, Spital, Schule oder als Theater dienten.









Jeder Besucher erhielt für die drei Stunde dauernde Führung einen Audio-Guide mit 18 Beiträgen zu den verschiedenen Stationen der Tour in den Höhlen. Die Audio-Beiträge waren sehr professionell gemacht, mit interessanten Texten, Interviews von Zeitzeugen und passenden Geräuschen und musikalischer Untermalung. Wir mussten ab und zu doch schmunzeln, wenn die Lobesreden auf die Gründer des Pathet Lao doch sehr unkritisch in unseren Ohren erklangen. Man nennt dies übrigends auch Propaganda...
Vis-a-vis des "Höhlenbüros" versammelt sich am Abend nach der Höhlen-Führung eine bunte Diskussionsrunde von Backpackern aller Nationen im Garten des Hotels. Wir plaudern mit Neuseeländern, Griechen, Deutschen, Israeli, Schotten und Belgiern über Gott und die Welt. Vieng Xai ist unsere vorläufig letzte Station in Laos. Übermorgen werden wir die 11-stündige Reise nach Than Hoa (Vietnam) in Angriff nehmen.