Das Grand Golden Hotel hat auch schon goldigere Zeiten erlebt
Wir fahren weiter Richtung Nordem mit dem Zug nach Phitsanulok. Ein wunderschöner goldener Buddha und ein nicht mehr gar so goldiges "Grand Golden Hotel" erwarten uns.

Heute sind wir mit dem Zug von Ayutthaya weiter nach Phitsanulok gereist. Mit einer Verspätung von 1.5h erreichen wir die Stadt, die in den späten 50-er Jahren Opfer einer Feuersbrunst wurde. Die Stadt ist symphatisch und quirlig und ist wenig auf Tourismus ausgerichtet. Nachdem wir im Hotel eingecheckt haben, machen wir noch einen Spaziergang zum "baumelnde Beine" Nudelsuppen Nachtmarkt, müssen jedoch feststellen, dass dieser heute nicht stattfindet.
Stattdessen laufen wir zufälligerweise am Wat vorbei, der den zweitwichtigsten Buddha von Thailand beherbergt. Der golden rote Tempelsaal öffnet sich in schimmerndem Licht gegen die nächtliche Strasse hin; der darin sitzende feingliedrige Buddha strahlt Ruhe aus und lädt den Passanten ein, innezuhalten und hineinzugehen. Grosse Car-Parkplätze und Verkaufsstände zeugen davon, dass hier tagsüber ziemlich viel Trubel herrschen muss. Heute Abend jedoch, ausserhalb der Saison sind wir, neben einem betenden einheimischen Besucher, die einzigen Gäste. Wir lassen uns einige Minuten nieder und lassen uns von der Schönheit des Raumes und der Ausstrahlung der Figur erfassen.

Danach geht es weiter zu einem zweiten Nachtmarkt, denn Thierry hat Hunger. Monika kämpft etwas mit ihrer Verdauung und hält den kulinarischen Ball eher flach. Nach einer stärkenden Nudelsuppe versuchen wir im Golden Grand Hotel zu schlafen. Daran hindert uns jedoch Verkehrslärm, der Muhezin der benachbarten pakistanischen Moschee, der seine Trillerpfeiffe malträtierende Verkehrspolizist, der vorbeiratternde Zug, der Kühlschrank der Minibar und mitten in der Nacht, wir müssen schon fast lachen, dringt auch noch der Gesang aus der im Hotel befindlichen Karaoke-Bar durch die Geschosse. So schlecht kann man doch nicht singen! Golden Grand hat auch schon goldigere Zeiten gesehen. Uns bleibt nur noch der Griff zu den Ohrstöpseln.
Phitsanulok ist eine Destination, die normalerweise nicht von Touristen besucht wird - das merken wir auch am Personal des Hotels, das im Umgang mit Fremden eher unbeholfen und durch die Situation überfordert wirkt. Das Personal pflegt das sogenannte "Sanuk" (Spass haben, das Leben geniessen) mehr als sich um die Gäste zu kümmern. An der Rezeption des 150 Betten-Hotels spricht niemand eine Fremdsprache. Für uns ist dieser Umstand jedoch auch eine gute Erfahrung - wir merken wie es sein könnte, wenn man Analphabet ist: Hier ist die Kunst der Pantomime gefragt.

Es ist sicher besser, wenn man nahe an das Guckloch herangeht, um etwas zu sehen. Der Hotelier meinte aber wohl eher, dass die Zimmertüre stets verschlossen sein sollte...