Begegnung mit einem Drachen

In "Tomorrow Never Dies" jagt James Bond mit der hübschen Wai Lin den Schurken Elliot Carver in der Ha Long Bucht - nun haben wir den Originalschauplatz selber gesehen. Wir sind keinem Böswicht nachgejagt, dafür sind wir mit Kajaks in wunderschöne Buchten und Höhlen gepaddelt, haben sehr gut gegessen, im angenehm warmen Wasser gebadet und, und, und... - da hätte James wohl doch lieber in unserem Film gespielt!

Die Bucht des herabsteigenden Drachens.

Die Legende erzählt, dass in ferner Vorzeit ein herabsteigender Drache über der Ha Long Bucht Feuer spieh und in der Gegend tausende von kleinen Feuern entfachte. Aus diesen kleinen Feuern entstanden die vielen imposanten Felsformationen, die heute die Ha Long Bucht zu einem einzigartigen und grossartigen Naturschauspiel machen. Über unser Hotel in Hanoi, haben wir einen Trip gebucht, der uns für drei Tage und zwei Nächte in diese fantastische Landschaft entführte.

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Die An- und Rückreise "Hanoi /Ha Long" dauert etwa 3,5h und führt uns durch die beiden Provinzen Hu'ng Yen und Hai Du'o'ng. Wir fahren zuerst durch das fruchtbare Schwemmland des roten Flusses, der Hanoi umfliesst. Hier werden während der Regenzeit Reis und in den Wintermonaten Gemüse und Früchte kultiviert. Wir sehen Reisbauern in ihren typischen Dreieckshüten, Bananenstauden und Wasserbüffel. Danach in der Provinz Hai Duong gibt es auch viele grosse thermische Kraftwerke, da der Abbau von Kohle eine der wichtigsten Ressourcen der Gegend darstellt. Seltsam für unser Empfinden ist auch die Gebäudeform, die wir hier überall antreffen:

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Diese hat, wie uns unser Guide erklärt, eine ganz einfache praktische Begründung. Da sich in Vietnam das Leben und der Handel primär auf der Strasse abspielen, sind die Quadratmeter-Preise für Land, welches an eine Strasse grenzt, exponentiell höher. Ebenso wird diejenige Gebäudefront, die Kontakt zur Strasse hat, pro Laufmeter hoch besteuert. Dies bewirkt, dass die oft schön verzierte Strassenfront eher kurz ausfällt und sich das Gebäudevolumen vorwiegend in die Tiefe und Höhe erstreckt. Die Seitenfronten bleiben meist unverputzt. Es entstehen dadurch diese seltsamen, manchmal auch freistehenden "Gebäudeschnitze", welche die Architektur in diesen beiden Provinzen prägen.

Nach unserer Ankunft in Ha Long City werden wir sofort auf unser Schiff gebracht und können die Kabinen beziehen. Auf unserer mittelgrossen Dschunke werden wir nun drei Tage durch die Felslandschaften tuckern. Die "Glory Cruises" ist ein professionell geführtes Unternehmen. Man stelle sich jedoch kein riesiges Kreuzfahrtsschiff vor. Auf der Dschunke könnten theoretisch 26 Passagiere einquartiert werden. Mit uns reisen auf dieser Fahrt jedoch nur 13 Personen, die von 6 Crew Mitgliedern betreut werden. Die Stimmung auf dem Schiff ist familiär und herzlich, die Crew ist einzigartig freundlich, liesst uns jeden Wunsch von den Augen ab und wirkt dabei überhaupt nicht "professionell abgebrüht".

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Während unserer Fahrt haben wir Gelegenheit mit Kajaks kleinere Karsthöhlen und die "floating villages" zu erkunden, im Meer zu schwimmen, eine der Felseninseln zu besteigen, die berühmten "Sung Sot" ("Amazing Caves") zu erforschen, eine Perlenzucht zu besichtigen, und auf dem Schiff das entspannende "Kreuzfahrtsfeeling" zu geniessen: dies meint, Thai Chi auf dem Sonnendeck, Schlemmen nach Herzenslust, Plaudern mit Mitreisenden, Sonnenuntergang auf dem Meer und Happy Hour in der lauen Winternacht ;-)...so wie sich das eben für so ein Cruising gehört.

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Die Ha Long Bucht wurde im Jahre 2005 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt. Seither unternimmt die vietnamesische Regierung viel, um das Gebiet von Ha Long City touristisch zu entwickeln. Es besteht ein ehrgeiziges Projekt eine riesige Fläche rund um den Hafen mit Hilfe ausländischer Geldgeber mit Hotels und Eigentumswohnungen zu überbauen. Uns persönlich erscheint dieses, nach dem Vorbild Dubais hingeworfene Reissbrett-Projekt jedoch ziemlich fragwürdig, da mit einer derartigen Überbauung auch der Charme der alten vietnamesischen Architektur und Lebensweise verschwindet.

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Als staatliche Direktive wurde nun den Schiffseignern vorgeschrieben, alle ihre Dschunken, die den Hafen von Ha Long ansteuern, weiss zu übermalen. Dies damit das Bild im Hafen, strahlend weisse Schiffe auf azurblauem Wasser zeige. Leider funktioniert diese Vorstellung nur in den Köpfen der Planer. In Realität wirken die weiss getünchten Dschunken angemalt und irgendwie schäbig. Die wenigen, die noch die ursprünglichen dunklen Hölzer und warmen Farben der Segel haben, wirken (darin sind sich alle Touristen einig), wesentlich authentischer und malerischer. Vor allem auch angesichts der Tatsache, dass in Ha Long oft etwas diesiges Wetter herrscht, das Wasser somit grau erscheint, und die farbigen Schiffe eine willkommene Abwechslung der Farbpalette boten.

Nach dieser wunderbar erholsamen und eindrücklichen Auszeit, kehren wir nach Hanoi zurück und fahren noch am gleichen Abend weiter - diesmal per Nachtzug nach Hue, der ehemaligen Kaiserstadt in Mittel-Vietnam.

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